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Von Lagos ostwärts II

   Ab Benin verlangt die Strasse, die durch bergiges Land führt, Bobs ganzes fahrerisches Können ab, da hier auch viele schwerbeladene Uraltlastwagen unterwegs sind. Immer wieder zeigen umgekippte und zerstörte Lkw an den Gefällstrecken wie gefährlich das Gebiet ist, wenn bei den alten Kisten die Bremsen versagen. Die zwei Stunden bis Onitcha führen aber auch durch das Gebiet Midwest, einer der fruchtbarsten Gegenden Nigerias. Überall an der Landstrasse werden die eigenen Erzeugnisse angeboten. An den vielen Südfrüchten kann man sich einfach nicht satt sehen. An Bobs Stammplatz, einem kleinen Marktflecken, halten wir an um das Auto mit den landwirtschaftlichen Köstlichkeiten zu füllen. Grosse Schüsseln mit goldgelben Kassavamehl, riesige Ananas und Plantain, Avocados, Mangos, Apfelsinen, Erdnüsse und verschiedene Sorten Bananen, sowie die faustgroßen Buschschnecken (das sogenannte Congo-Meat) locken zum Kauf. Queen und Bob handeln lange mit einer jungen, hübschen Frau, die Bob schon von früheren Einkäufen kennt. Freundlich und mit vielen Scherzen versehen, wird um jede Naira gefeilscht, da ich als Weißer automatisch die Preise nach oben treibe. Jeder noch freie Platz im Auto wird genutzt um die erstandenen Sachen zu verstauen. Queen behauptet, dass es hier das beste Kassavamehl von ganz Nigeria gibt und dem entsprechend hat sie auch zugeschlagen.

Unser Sohn, knapp zwei Jahre, hatte sich scheinbar in Lagos einen kleinen Virus gefangen, denn wir hatten schon mehrmals anhalten müssen, weil er starken Durchfall hatte. Jetzt ging es schon wieder los. Ich schnappe mir den kleinen Kerl unter den Arm und renne von den Marktständen weg zu den ersten Büschen die ich entdecken kann. Kaum habe ich ihm die Hose gelüftet, beginnt an einer weiter zurückliegenden Hütte ein riesiges Geschrei. Ein kräftiger, älterer Mann kommt mit einem Buschmesser auf mich losgestürmt. Er schimpft lautstark und fuchtelt wild mit dem Buschmesser vor meiner Nase. Als er merkt, dass ich seine Stammessprache nicht verstehe, schreit er " why you shit in my compound". Als ich mich von meinem ersten Schreck erholt habe, versuche ich ihm klarzumachen, dass ich mit unserem Sohn leider nur bis zu den ersten Büschen gekommen bin. Es scheint ihn jedoch überhaupt nicht zu interessieren, er tobt weiter und kommt zu der Aussage, dass er ja auch nicht in unser Auto kacken würde. Ich finde den Vergleich zwar nicht besonders treffend, aber ich biete ihm als Entschädigung einen kleinen Betrag an. Nach weiteren Schimpfkanonaden akzeptiert er schließlich und wir können unsere Reise fortsetzen.

Langsam setzt sich das schwerbeladene Auto in Bewegung und die Kinder saugen begeistert an ihren frischgeschälten Apfelsinen. Über eine Hügelkette kommend, erkennen wir in der Ferne den Niger, einen der größten Flüsse Afrikas und die Stadt Onitcha. Etwa einen Kilometer vor der großen Nigerbrücke befinden sich links und rechts der Straße Verkaufsstände mit riesigen Jamwurzeln und geräuchertem Fisch. Der Fischgeruch steigt uns verlockend in die Nase und Queen kann diesem Duft nicht widerstehen. Sie ersteht noch einige geräucherte Fische, die ich zwischen meinen Beinen verstaue, da sonst kein Platz mehr vorhanden ist. Die Durchfahrt durch Onitcha ist wie immer ein Kampf um jeden Zentimeter. Da hier viele Fernstrassen zusammenlaufen, ergibt sich ein unfassbares Gewühl und Chaos, da sich die Strassen auch noch durch verschiedene Märkte hindurchziehen. Wir brauchen wieder weit über eine Stunde um die Ausfallstrasse Richtung Owerri zu erreichen. Queen ersteht noch acht große Weißbrote und ich bin der Verzweiflung nahe, denn jetzt ist auch noch das Armaturenbrett und die rückwärtige Scheibe zugebaut.

Die Weiterfahrt vergeht zum Glück ohne Probleme und nach weiteren zwei Stunden erreichen wir am Spätnachmittag "unser Dorf", wo wir von der ganzen Familie begeistert begrüßt werden. Mein Schwiegervater holt sofort seine Jagdflinte Marke "Eigenbau" aus dem alten Haus und gibt einige Freudenschüsse ab. Die Frauen der Familie stoßen Freudenschreie aus, immer mehr Nachbarn strömen in den Hof, um uns zu begrüßen. Alle singen, tanzen und danken Gott für unsere glückliche Ankunft.

P.S. In Benin wurde inzwischen eine sehr gute Stadtumgehung gebaut und auch die Strecke bis Onitcha ist in einem sehr guten Zustand, da der nigerianische Verkehrsminister aus Benin kommt! Seitdem ich das Kassavamehl aus Midwest probiert habe, esse ich "Fufu" mit wachsender Begeisterung, das in unserem Dorf hergestellte Maniokmehl enthält oft Sand und ist für unsere Zähne nicht so gut. Aber eigentlich schluckt man es ja auch nur, aber wir Weißen müssen halt alles kauen.


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