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Neu im Nigeria-Forum

Radio Palmwine

Anglerlatein

   Irgendwann hatte ich meine Angeln und alles was dazu gehört eingepackt und nach Nigeria geschickt. In Deutschland hatte ich keine Zeit mehr gefunden und so wollte ich mein Glück einmal am Imo River versuchen. Bei einem der nächsten Besuche in unserem Dorf packte ich meine Angeln und meinen jüngsten Schwager in den Pkw und machte mich in aller Frühe auf den Weg zum Fluss. Ich hatte mir einen Plastikeimer mit Reis und Jam kochen lassen. Als Queen dies entdeckte, kam es zum großen Aufstand. Die Leute haben nichts zu essen und du willst die Fische füttern? Nach langer Diskussion konnte ich ihr dann doch die Anglerwissenschaft ein wenig näher bringen, denn mit Speck fängt man Mäuse und mit Reis und Jam eben Fische. In der Trockenzeit war es aussichtslos irgendwo Würmer aufzutreiben und so musste meine liebe Queen zähneknirschend den Eimer akzeptieren. Lass dich bloß nicht von irgend jemandem sehen, gab sie mir noch auf den Weg.

Bei den trockenen Wegen konnten wir den Pkw ziemlich nahe an den Imo River heran fahren. Das letzte Stück schleppten wir dann die Angeln und das Zubehör ans Wasser. Der Imo führte nicht so viel Wasser und dieses war recht klar. Auf einem flachen Felsvorsprung fand ich den idealen Platz. Meine zu handtellergroßen Kugeln geformten Reis/Jamköder warf ich etwas oberhalb in den Fluss, damit sie sich gut verteilen und die Fische anlocken konnten. Mit der 6 Meter Teleskoprute kam ich spielend in die Flussmitte. Einheimische Fischer in Einbäumen mit kurzen einfachen Bambusangeln beäugten neugierig mein Tun aus der Ferne. Dann begann mein Angeln, es hatte sich scheinbar in Windeseile unter den Fischen herumgesprochen, dass ein verrückter Onyocha Reis und Jam in den Fluss wirft und alle waren gekommen um diesen Verrückten zu sehen. Fast bei jedem Einwurf biss einer an und es waren Prachtfische dabei, die sich ordentlich wehrten. Mein Anglerherz lachte und innerhalb von einer Stunde war mein Netz voll und wir machten uns wieder auf den Heimweg.

Am nächsten Tag kam meine Schwiegermutter mit einer schönen Story vom Markt nach Hause. Die Leute erzählen, dass der Ogom mit einer Wunderangel die ganzen Fische aus dem Imo River fangen würde. Schmunzelnd nahm ich dies zur Kenntnis, doch 3 Tage später standen plötzlich zwei Männer aus Owerri vor unserer Haustüre. Sie seien von der Fischereibehörde und hätten gehört, dass ich im Imo so viele Fische fangen würde. An eine Fischereibehörde in Nigeria hatte ich im Leben nicht gedacht und ich war sichtlich überrascht. Doch die beiden Männer ließen sich nur meine Wunderangeln zeigen und wollten dann welche in Deutschland besorgt haben. Doch dazu ist es dann doch nicht gekommen, da vor zwei Jahren irgendwo eine Pipeline gebrochen ist und Unmengen von Öl sind in den Imo geflossen. Der gesamte Fischbestand ist vernichtet worden. Die Leute erzählen, dass zentnerweise die Fische angeschwemmt wurden. Noch heute treiben Ölflecken auf dem Wasser und mir blutet das Herz, wenn ich am Imo stehe und an die herrlichen Fische denke. Ob jemals wieder der alte Zustand erreicht wird, steht in den Sternen.


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