Wenn man von unserem Dorf über die Landstraßen nach Umuahia kommt, geht die Fahrt auf der sogenannten Autobahn Richtung Norden weiter. Nach ca. 20 Minuten wird die Stadt Okigwe erreicht. An Berghängen gelegen sind alle Straßen in einem desolaten Zustand. Zum Glück ist es Trockenzeit und unser Auto bewegt sich mühsam durch die Schlaglöcher bergauf. In der Regenzeit hätten wir hier kaum eine Chance, wenn die Wassermassen talwärts schießen. An einem kaum zu erkennenden Kreisel fährt Ben auf der linken Seite um den großen Schlaglöchern und den kreuz und quer parkenden Autos auf der rechten Seite auszuweichen. Sofort tauchen hinter den Autos zwei Polizisten auf und stürzen sich auf unser Auto. Sie hatten wohl schon die ganze Zeit auf der Lauer gelegen um bei den an dieser Stelle unvermeidbaren Verkehrssündern ein paar Naira aufzutreiben. Nach einer lautstarken Diskussion zwischen Ben und den Polizisten, die in einer Schimpfkanonade über die schlechten Straßen endet, dürfen wir dann doch ohne Bakschisch weiterfahren. Ich bewundere meinen Schwager Ben, denn er hat es in den langen Jahren immer wieder geschafft, durch geschickte Gespräche die Polizisten oder auch Militärs von ihrem eigentlichen Vorhaben abzubringen. Wir wollen zur Universität, die hinter der Stadt irgendwo in den Bergen liegt. Die Straße windet sich an den Berghängen entlang und man hat eine tolle Sicht auf die Berge und Schluchten. Langsam tauchen überall Bäume mit gelben und roten Früchten auf. Es sind ganze Wälder von Nierenbäumen, die hier an den Hängen wachsen. Ben erklärt mir, dass sich an den gelben und roten Früchten dieser Bäume die Cashewnüsse bilden. Auf meinen Wunsch halten wir an, weil ich mir die Früchte näher ansehen will. Am Stiel sitzt die gelbe oder rote Frucht und an der Spitze bildet sich die Cashewnuss aus. Die reifen Früchte sind essbar, sehr saftig und stillen sehr gut den Durst. Die gelben Früchte sind etwas süßer als die roten, die einen herberen Geschmack aufweisen. Beim Essen muss sehr aufgepasst werden, dass der Saft nicht auf die Kleidung kommt. Er wirkt als Entfärber oder brennt sogar Löcher in den Stoff. Der Saft von unreifen Früchten kann zu Verätzungen der Haut führen. Nachdem wir weitere 5 km zurückgelegt haben, liegt die Universität von Okigwe in einem Tal vor uns. Vor einem der Studentenwohnheime finden wir auch gleich Bens Verlobte und machen uns dann auch gleich auf den Heimweg. Überall an der Straße werden jetzt Cashewfrüchte verkauft, die in großen Körben angeboten werden und ein farbenprächtiges Bild abgeben. Wir machen an einer kleinen Marktstelle halt und kaufen zwei große Tüten roter und gelber Früchte. Ich entdecke dabei auch noch eine große Shop-Shop (Familie der Cherimoya), die ich ebenfalls kaufe. Die Shop-Shop schmeckt auch hervorragend und ist bei uns in Deutschland kaum zu bekommen. Bei unserer Ankunft in unserem Dorf freuen sich alle über die Cashewfrüchte, denn hier sind sie nur selten zu sehen. |