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Radio Palmwine

Die Evangelistinnen von Onitcha I

   Schon viele Jahre war Queen auf der Suche nach einer Seherin, die verschiedene Geschichten mit Geschwistern aber auch vieles was sie selbst betraf, abklären sollte. Dann hörte sie von einer Sister Menga in Onitcha am Niger. Mit Chide einem ihrer Brüder fuhr sie dort hin um den genauen Platz zu finden und mit der Person ersten Kontakt aufzunehmen. Nachdem die Beiden zurückgekehrt waren, versuchte mich Queen für einen dortigen Besuch zu begeistern. Nach mehreren Diskussionen stimmte ich schließlich mehr aus Neugierde zu und so machten wir uns zwei Wochen später auf den Weg nach Onitcha. Diesmal war auch Mary die Frau von Chide dabei. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir die Stadt am Niger und gerieten in den dort immer üblichen Stau. Die Abgase, der Gestank aus den teilweise offenen Abwasserkanälen und die große Hitze, ließen uns schweißgebadet in der Polsterung des Peugeot 505 hängen. Chide versuchte sein bestes fahrerisches Können in die Waagschale zu werfen, doch nur langsam erreichten wir den Stadtteil in dem Sister Menga wohnte.
   In einer Nebenstraße parkten wir vor einem verrosteten Tor. Nach mehrmaligem Klopfen öffnete schließlich eine junge Frau. Im Hof waren gleich auf der linken Seite eine große Anzahl von Bänken und ein kleiner Altar vorhanden. Das Ganze war mit einer Überdachung vor Regen und Sonne geschützt. Hier wurden scheinbar die Messen gehalten um im gemeinsamen Gebet die Wunder zu beschwören auf die alle hofften. An einer Wand war ein Mann mit einer schweren eisernen Fußfessel angekettet. An seinem Verhalten konnte man erkennen, dass er geistig nicht voll auf der Höhe war, außerdem schien er auch noch gefährlich zu sein. Die junge Frau verschwand in einem etwas größeren Haus. Nach kurzer Zeit wurden wir in das Haus gebeten, nachdem wir vor der Türe unsere Schuhe abgelegt hatten. Der längliche Raum den wir betraten, war mit Teppichen ausgelegt, die Wände schmückten Heiligenbilder und in einem großen Lehnstuhl saß eine Frau mittleren Alters. Links und rechts des Stuhles brannten weiße Kerzen und Weihrauchduft lag in der Luft, der das Atmen erschwerte.
   Nach etlichen Gebeten kam man zum Zweck des Besuches. Es ging um Mary und Chide, die schon fast 20 Jahre verheiratet waren und noch immer keine Kinder hatten. Das ganze Gespräch lief in Igbo ab und so konnte ich nur vieles erahnen, was den beiden aufgetragen wurde, um endlich an das erwünschte Ziel zu kommen. Ich hatte die ganze Zeit mein unschuldigstes Gesicht aufgesetzt und keinen Mucks von mir gegeben um ihr nicht irgendwelche Anhaltspunkte für ihre Aussagen zu liefern. Was dann kam war dann doch recht erstaunlich. Sie wusste über meine chronische Pankreaserkrankung Bescheid und auch die Beschwerden mit meiner Wirbelsäule waren ihr bekannt. Nach mehreren Ratschlägen für meine Ernährung und dem Rat öfters zu fasten wurde ich entlassen.
   Unsere zwei Gospelfreunde aus Bremen, die sich zu diesem Zeitpunkt in unserem Dorf aufhielten, konnten sich nicht entschließen mit nach Onitcha zu fahren und hatten uns nur ein Bild von sich mitgegeben. Menga erzählte uns die Geschichte von den Beiden, obwohl wir kein Wort gesagt hatten. Dass Beppo eine lebensgefährliche Krankheit überstanden hatte, dass er ein Sänger ist und beide zusammen mit ihren Gospelworkshops vielen Menschen Freude bringen. Sie wusste von unseren Gospelfreunden soviel Einzelheiten, die sie alle aus diesem Bild heraus gelesen hatte. Nach vielen Ratschlägen für kommende Zeit war die Sitzung beendet und nach einer freien Spende konnten wir das Haus verlassen.
   Mir war etwas unheimlich, denn Menga war bei ihrer Sitzung immer wieder in Trance versunken, aus der sie plötzlich durch schreien von Gebeten und Anrufen verschiedener Heiliger erwachte, um dann ihre Aussagen zu machen. Ich hatte auf jeden Fall die gesamte Heimfahrt genügend Muße meine Gedanken wieder in die richtige Lage zu bringen.


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