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Hans der Gecko

   Mitten im Hof steht das alte Elternhaus. Gebaut mit verzierten und gebrannten Lehmziegeln, zeugt es von dem früheren Reichtum der Besitzer, denn nur reiche Farmer konnten sich früher so ein Haus bauen. Mein Schwiegervater hatte nur einen Bruder und so hatten sie sich das Land der Eltern geteilt, denn nur die Söhne bekommen Land. Im Laufe der Jahre war das Land immer weniger geworden. Die Regierung nahm sich Land für eine große Straße ohne zu zahlen, ein Rechtsanwalt nahm sich Land , natürlich ohne zu zahlen und so wurde mein Schwiegervater immer ärmer. Nur das alte Haus brachte den Glanz vergangener Zeiten etwas zurück. Es war nicht sehr groß, an jeder Stirnseite drei kleine Zimmer, vorne und hinten eine Veranda und in der Mitte ein großes Wohnzimmer. Hier traf sich früher immer die Familie um gemeinsam zu essen, wichtige Familiensitzungen abzuhalten und den Tagesablauf zu besprechen. Auch heute ist das Haus noch Mittelpunkt, nicht nur weil die alten Eltern dort wohnen, sondern auch die Kinder und Enkel nutzen es, wenn sie zu Besuch kommen.

In den letzten Jahren ist es etwas baufällig geworden und weist an verschiedenen Stellen große Risse auf. Das Dachgebälk ist von Termiten zerfressen worden und an einer Seite heruntergebrochen. Es ist schon viel darüber diskutiert worden, das Haus abzureißen, den darunter vermuteten großen Termitenbau auszuräuchern und ein neues Haus aufzubauen. Doch so lang die Eltern noch leben wird es wohl stehen bleiben. Dutzende Geckos leben in den Spalten, die am Abend aus ihren Verstecken kommen und an den Wänden entlang laufen um die Insekten zu fangen. An der Neonleuchte auf der Veranda versammeln sich immer gleich mehrere, weil das Licht viele Insekten anlockt, dann hört man manchmal ein richtiges Schmatzen, wenn die Geckos ihr Festmahl beginnen. Einer der Geckos hat eine ganz helle Färbung und er ist immer einer der Ersten der sich aus seinem Versteck traut.

Als wir in unser kleines neues Häuschen ziehen, ist natürlich kein einziger Gecko vorhanden und ich vermisse diese sehr, denn sie fangen auch viele Moskitos von den Wänden, die dort auf der Lauer liegen um einen günstigen Angriff auf uns zu starten. Unser Haus liegt etwa 50 Meter vom alten Elternhaus entfernt und es dauert fasst ein Jahr, bis ich den ersten Gecko bei uns erblicke. Es ist der "Helle Hans", denn nur er hat diese Färbung und nur er hat scheinbar den Mut neues Gelände zu erkunden. Er erhält von mir sofort Bleiberecht auf Lebzeit und ich mache mir direkt Sorgen um ihn, wenn er am Abend nicht irgendwo an der Wand erscheint. Doch wenn ich ihn zwei- oder dreimal beim Namen gerufen habe, schaut er verschmitzt hinter einem Bild oder hinter einem Vorhang hervor und grinst frech. Der Name "Hans" scheint ihm auf jeden Fall zu gefallen.


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