Als ich das erste mal nach Nigeria zu meinen Schwiegereltern kam, ging mein Schwiegervater noch auf die Jagd. Zweimal in der Woche kamen seine Freunde, meistens so sechs oder acht Stück, mit ihren Hunden, um sich auf dem Hof zu treffen und dann in das Jagdgebiet zu starten. Doch vorher wurde noch Palmwein gereicht, der aus einer großen Korbflasche in kleine Trinkbecher gefüllt wurde, die aus einer kleinen Kürbisart hergestellt waren. Man stieß auf eine erfolgreiche Jagd an und sprach gemeinsam ein Gebet, dass jeder gesund heimkehren möge. Danach schulterte jeder sein Vorderladergewehr (Marke Eigenbau) und sein Buschmesser um sich auf den Weg zu machen. Nach fünf bis sechs Stunden kehrten sie alle abgekämpft zurück. Viel hatten sie meistens nicht geschossen. Eine kleine Gazellenart, Rebhühner und eine Fasanenart waren die Beute, die dann ehrlich aufgeteilt wurde. Nur einmal hatten sie ein ausgewachsenes Stachelschwein und einen großen Leguan erwischt. Dieses besondere Jagdglück wurde dann auch ausgiebig mit Palmwein begossen. Die Korbflasche mit dem köstlichen Palmwein, den mein Schwiegervater selbst aus der Palme zapfte und der besonders beliebt war, kreiste durch die Reihen der Jäger und Jagdgeschichten aus früheren Zeiten wurden erzählt. Hier tauchte immer wieder die eine Geschichte auf, dass mein Schwiegervater als junger Mann einen Löwen erlegt hatte. Diese Geschichte schien zumindest der Wahrheit zu entsprechen, während viele andere Geschichten doch wohl reines Jägerlatein waren, da die erlegten Tiere mit Zunahme des Palmweins immer größer wurden. Durch die starke Besiedlung gibt es heute keine größeren Tiere mehr in dieser Gegend. Der Freundeskreis setzte seine Jagdausflüge noch viele Jahre fort. Nachdem jedoch auf einer Jagd, bei der ein neuer Jäger dabei war, einer der Jagdgefährten aus versehen erschossen wurde, gab er die Jagd auf und widmete sich nur noch dem Farmbetrieb. Zwei Stacheln des erlegten Stachelschweins, die ich damals als Ehrengeschenk erhalten hatte, liegen noch heute in meinem Schrank und erinnern mich an die ersten Tage im Igbo-Land. |