Eine besondere, freudige Erwartung und Spannung lag an diesem Morgen in der Luft. Die Frauen wieselten schon in aller Frühe über den Hof um sich in blauweiße Stoffe mit dem Maria- oder Papstbildnis zu kleiden. Eine weiße Bluse und das passende Kopftuch rundeten das Bild ab. Um 9.00 Uhr sollte die Messe beginnen und ein blauweißes Meer von Müttern, denn nur die trugen diese Tracht, bewegte sich aus allen Richtungen auf die Kirche zu. Es war eine besondere Messe nur für die Mütter und der Gottesdienst zog sich fast über vier Stunden. Es wurde Geld gesammelt, das dann für besonders arme Witwen mit Kindern verwendet wurde. Einige Frauen hatten gekocht und nach der Messe fand ein gemeinsames Mittagessen statt. Danach kam der Höhepunkt des Tages. Auf dem nahegelegenen Sportplatz wurden für die jüngsten Mütter einige sportliche Aktivitäten angeboten. Unter allgemeiner Anfeuerung und großem Gelächter wurden Sackhüpfen, Eierlauf und 80 m Lauf absolviert. Die Siegerinnen erhielten große Schüsseln oder anderes Haushaltsgerät als Prämie. Danach marschierten die Frauen der sechs Ortsteile unter Marschmusik am Pfarrer vorbei, der sich auf einen Stuhl gestellt hatte. Mir wurde auch einmal die große Ehre zu Teil als Oberschiedsrichter zu entscheiden, welcher Ortsteil am besten marschiert war. Der Sieger erhielt einen großen Pokal und es war immer wieder ein lustiges Bild da auch schwangere Mütter mitmarschierten, die mit ihren dicken Bäuchen besondere Jubelstürme auslösten. In dem einen Ortsteil gab es viele Lehrerinnen, die dann auch oft die Nase vorn hatten, weil sie das marschieren von ihren Schulen und von ihren Schülern gewöhnt waren. Nach dem großen Vorbeimarsch wurden noch von einzelnen Gruppen Tänze dargeboten. Es war ein schönes Fest der Mütter, doch wann genau dieser Muttertag im Dorf stattfindet konnte ich nie genau festmachen, da dies scheinbar immer der Pfarrer bestimmte. |