Die Geschichte der Osu-Menschen reicht zurück bis in die Sklavenzeit und die Christianisierungsversuche der Kirchen. Zur damaligen Zeit wurden noch Menschenopfer für die schrecklichen Götter gebracht. Die Dorfgemeinschaft bestimmte eine der ärmsten Familien im Dorf mit vielen Kindern für dieses Opfer. Diese Familie erhielt den Namen „Osu". Sie waren Ausgestoßene der Dorfgemeinschaft, standen aber gleichzeitig unter dem Schutz dieser schrecklichen Götter. Immer wenn diese nach einem Menschenopfer verlangten, wurde ein Familienmitglied mit seinem Blut geopfert. Die „Osu-Leute" mussten zur damaligen Zeit jedem normal sterblichen Menschen aus dem Weg gehen. Wollten diese Leute heiraten, mussten sie in den Nachbarorten eine andere „Osu-Familie" suchen, um eine Verbindung einzugehen.
Viele Männer dieser Familien versuchten später als Priester in der katholischen Kirche zu arbeiten. Wenn jedoch nur der kleinste Verdacht aufkam, dass sie aus einer „Osu-Familie" stammten, wurden sie sofort aus dem Priesterseminar und der Kirche ausgestoßen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die „Osu-Familien" immer wohlhabender, weil sich kein Anderer traute, ihnen ihr Land wegzunehmen, da sie ja mit den bösen Geistern in Verbindung standen. Heute haben viele ihren Namen geändert, doch oft enthalten sie noch das Wort „Osu". Wenn sich auch heute noch im Vorfeld von Verbindungen herausstellt, dass z.B. die Vorfahren der Frau aus einer „Osu-Familie" stammen, kommt eine Ehe erst gar nicht zu Stande. Eine hübsche OP-Schwester aus dem kleinen Hospital findet keinen Partner, weil man ihr nachsagt, dass sie aus einer dieser Familien stammen würde. Viele sind heute auch im Ausland und haben Ausländer geheiratet und bringen somit noch mehr Reichtum in diese Familien. Im Igbo-Land heiratet wissendlich keiner eine „Osu-Person", denn man sagt auch noch, dass sie nach ihrem Tod ohne Kopf beerdigt werden müssen.